Deine Kartenzahlungen sind nicht gebührenfrei

TransferWise
21.05.18
3 Minuten Lesezeit

Ich ziehe demnächst in eine neue Mietwohnung in London und muss bis zum Einzug noch ein paar Wochen ohne Wohnung überbrücken. Also mietete ich mir kurzerhand ein Landhäuschen in Essex. Ich fand es auf Airbnb. Dem Vermieter habe ich £1000 gezahlt.

Der Großteil davon kommt beim Vermieter an und Airbnb behält eine gute Marge ein. Mit Erstaunen fand ich heraus, dass ich meiner Bank unwissentlich £2 für die Nutzung meiner Debitkarte zahlte. Das war eine versteckte Gebühr — und diese wird nirgends auf meiner Kartenabrechnung aufgeführt. Aber das ist, was Airbnb an meine kartenausgebende Bank zahlen musste. Das nennt man Interchange-Gebühr.

Was ist eine Interchange-Gebühr?

Die Interchange-Gebühr ist ein seltsames Phänomen — eine Konstruktion, die die Magie des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs platzen lässt wie einen Luftballon. Es ist eine drei-Parteien Vereinbarung zwischen der ausstellenden Bank (bspw. HSBC), des Kartensystems (bspw. VISA) und dem Händler (bspw. Airbnb). Es schreibt vor, dass ein Prozentanteil der Transaktion an die ausstellende Bank geht, um Dinge wie Strom, Internet sowie die Vorabkosten für Server und Software zu decken

In der Praxis ist es nichts anderes als eine Vereinbarung zwischen dem Kartensystem und der ausstellenden Bank. Die Monopolstellung von Visa und Mastercard lässt den Händler ohne Mitspracherecht außen vor. Entweder sie zahlen dazu oder sie verlieren die Möglichkeit, an Visa- und Mastercard-Karteninhaber zu verkaufen. Und das sind eine Menge Kunden!

Die meisten Karteninhaber wissen nichts von dieser Interchange-Gebühr. Die Händler wissen dafür um so schmerzleidender Bescheid. Manchmal vermeiden sie sogar, Kartensysteme mit einer noch höheren Interchange-Gebühr (wie American Express) zu akzeptieren.

Großbritannien: "Karteninhaber zahlen ihrer Bank nicht genug"

Das muss sich auch Visa gedacht haben, als sie im September 2016 die Deckelung auf 50p der Interchange-Gebühr aufgehoben haben. Davor war die Interchange-Gebühr — selbst für höhere Beträge wie der Mietzahlung für ein Landhäuschen bei Airbnb — auf 50p gedeckelt.

In 2016 gab es Zahlungen per Debitkarte im Volumen von £520 Mrd. Banken haben hieran mindestens 0,2% an Interchange-Gebühren verdient. Es ist ein kleiner Prozentsatz, wenn du dir einen Kaffee kaufst. Aber es summiert sich zu einer ansehnlichen Summe von £1.04 Mrd an jährlichen Einnahmen für Banken in Großbritannien.

Lassen die Aufsichtsbehörden das zu?

Es gibt keinen Anreiz für Banken oder Kartensysteme eine geringere Interchange-Gebühr zu erheben. Genau aus diesem Grund schreiten immer mehr Aufsichtsbehörden ein. Ohne sie könnten wir immer noch 3% bezahlen, so wie es in den 90-ern üblich war. Viele Aufsichtsbehörden haben bemerkt, dass Banken schon gut verdienen und haben deshalb die Interchange-Gebühr wie folgt beschränkt.

Spanien

Die Spanier haben die Interchange-Gebühr auf 7 Cent begrenzt. Richtig, deine spanische Bank erhält nicht mehr als €0,07 wenn du dir deinen Kaffee kaufst oder deine Flüge per Debitkarte buchst. Ich bin sicher, dass damit die Kosten für Strom, Internet sowie die Vorabkosten für Server und Software gedeckt werden können.

Die Niederlande

Die Niederländer, Erfinder des modernen Digitalbankings mit ING, haben erkannt, dass eine Transaktion nicht wirklich 7 Cent kostet. Also haben sie die Interchange-Gebühr auf €0.02 begrenzt.

Die USA

Die USA hat versucht, Wettbewerb zu kreieren, was sich als nicht einfach herausstellte. Beispielsweise muss jede Karte zwei Kartensysteme unterstützen. Eines davon ist üblicherweise Mastercard oder Visa, und das andere ein kleinerer Anbieter, von dem noch nie jemand etwas gehört hat.

Sie haben auch den Betrag gedeckelt, der bei Zahlungen mit Debitkarten als Interchange-Gebühr berechnet werden kann.

Die EU

Bei der Interchange-Gebühr ging es drunter und drüber in Europa. Bis die EU 2005 die Interchange-Regulierung einführte. Diese deckelt die Interchange-Gebühr für Debitkarten auf 0,20% und für Kreditkarten auf 0,30%.

Irland

Die Iren haben die EU-Deckelung nicht als selbstverständlich angesehen und unabhängig davon eigenständig mit der Sache befasst. Ihre Interchange-Gebühr beträgt 0,1% und ist auf €0.50 gedeckelt.

Gibt es eine Lösung?

Noch nicht. Langfristig müssen Möglichkeiten geschaffen werden, um Wettbewerb zwischen den Kartensystemen zu ermöglichen und Anreize für die Schaffung von alternativen, sicheren Zahlungsmöglichkeiten zu belohnen. Bis dahin können wir nur darauf hoffen, dem Beispiel der Spanier und der Niederländer zu folgen, indem die Aufsichtsbehörden die Interchange-Gebühren kontrollieren. Du kannst unsere Kampagne unterstützen, bei der wir die britische Regierung auffordern, überhöhte Interchange-Gebühren zu maßregeln.

Kristo

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