Freund oder Feind? Der Amazon Währungsrechner im Test

16.03.18
3 Minuten Lesezeit

Ohne Amazon kann man sich Online-Shopping heute eigentlich gar nicht mehr vorstellen. Amazon ist wahrscheinlich eines der besten Beispiele für ein Unternehmen, das seinen Erfolg der konsequenten Kundenorientierung verdankt. Aber ist wirklich alles eitel Sonnenschein?

Wir möchten einmal den Währungsrechner von Amazon näher unter die Lupe nehmen. Seit einiger Zeit wirbt das Unternehmen auch mit internationalen, grenzüberschreitenden Käufen. Was bietet sich also besser an als eine integrierte Funktion, mit der man in einer anderen Währung bezahlen kann? Klingt gut, oder? Aber wir wollen nicht zu voreilig sein.

Wir haben uns die Vor- und Nachteile angeschaut und geprüft, ob die Funktion Kunden Geld spart.

So funktioniert's

Wenn du aus Deutschland etwas von Amazon UK kaufen und mit Debit- oder Kreditkarte bezahlen möchtest, hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du zahlst den Betrag in britischen Pfund, oder -sofern du eine Visa- oder Mastercard besitzt- du aktivierst den Währungsrechner, der dir den Preis in Euro anzeigt, den du dann stattdessen zahlen kannst.

Neben Pfund und Euro gibt es noch etliche andere Währungen, die ausgewählt werden können, unter anderem US-Dollar, australische Dollar, japanische Yen oder Schweizer Franken. Das sind gute Nachrichten für Millionen von Amazon-Süchtigen weltweit.

Ja, das ist bequem

Einer der Vorteile des Währungsrechners ist die unmittelbare Übersicht der Informationen. Wenn du die Funktion nicht nutzt und dich entscheidest, in der Fremdwährung zu bezahlen, musst du später auf deinem Kontoauszug nachsehen, wenn du wissen möchtest, welcher Betrag dir in Euro letztlich berechnet wurde. Der Betrag basiert auf dem Wechselkurs, der zu dem Zeitpunkt gilt, an dem deine Ware verschifft wird. Und wenn wir hier von "Wechselkurs" sprechen, meinen wir den festgelegten Kurs, den deine Bank oder dein Kartenanbieter berechnet. Dieser kann zudem eine zusätzliche Überweisungsgebühr beinhalten.

Wenn du hingegen den Währungsrechner nutzt, weißt du sofort, wie viel du in deiner eigenen Währung zahlst. Du kannst genau sehen, welchen Wechselkurs Amazon verwendet, indem du einfach auf "View Exchange Rate" klickst. Und im Fall einer Reklamation wird genau dieser Wechselkurs wieder zur Rückerstattung genutzt, du riskierst also keinen Kursverlust und bekommst denselben Betrag wieder. Eine ziemlich nette Geste, wie wir finden.

Aber du zahlst für dieses Privileg ...

Wenn wir mal von der guten Übersicht und der Bequemlichkeit absehen: Ist das Angebot tatsächlich besser als eine Zahlung in Pfund über deine Bank? Die kurze Antwort lautet in den meisten Fällen: nein. Amazon behauptet, dass du "wahrscheinlich" weniger zahlst, wenn du den Währungsrechner nutzt, da das Unternehmen danach strebt, einen "konkurrenzfähigen Wechselkurs" anzubieten. Das kann dann ein besserer Kurs als der deiner Bank oder deines Kartenanbieters sein, muss es aber nicht. Klar wie Kloßbrühe.

Einige Nutzer haben bereits ihre Unzufriedenheit darüber zum Ausdruck gebracht, dass die von Amazon genutzten Wechselkurse nicht denen entsprechen, die man anderswo im Netz finden kann. Tatsache ist, dass die meisten Organisationen, von Amazon bishin zu deiner Bank, ihren Kunden nicht den tatsächlichen Wechselkurs anbieten.

Letzten Endes solltest du dir durch die Verwendung des Währungsrechners also keine Einsparungen erhoffen. Der wirkliche Vorteil besteht darin, dass du einsehen kannst, wieviel du in deiner eigenen Währung zum Zeitpunkt des Kaufs zahlen würdest. Das ist sehr praktisch, wenn du darauf achten möchtest, wie hoch deine täglichen Ausgaben sind. Dafür ist diese Funktion sehr nützlich. Aber wenn es darum geht, möglichst wenig Geld beim Währungswechsel zu verlieren, verhält es sich nicht anders als mit Banken oder Anbietern internationaler Bargeldtransfers, denen wir skeptisch gegenüberstehen.

Von Taavet Hinrikus,
Co-Founder von TransferWise

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